Nebel, Sonne, Regenbogen
Der Herbst klopft mittlerweile sehr gut hörbar an Südschwedens Tür. Sobald die Sonne unter gegangen ist, schleicht Nebel aus Wäldern, Senken und Gewässern. Die ganze Nacht über verweilt er im fahlen Licht von Mond und Sternen auf Wiesen, Wegen und Plätzen. Erst wenn der Tag sich mit grauem Licht oder roter Sonne ankündigt, zieht er sich zögerlich zurück.
Die Nächte sind kühl, aber nicht kalt und dennoch oft sternenklar. Es ist ziemlich verrückt, wenn man im Dunkeln auf dem Balkon steht, sieht wie sich das Licht der Straßenlaternen durch den Nebelschleier kämpft und doch wenn man den Kopf hebt das kühle, klare Leuchten der Sterne und des Mondes sieht.



Die Äpfel fallen reif von den Bäumen. Das mancherorts bereits fallende Laub, hat die gleiche Farbe wie die reifen Früchte. Die Luft ist kühl, feucht und klar. Die Pferde auf der Weide haben Decken auf ihrem Rücken und schauen mich neugierig an, wenn ich mit dem Fahrrad an ihnen vorbei fahre.

Der Sonntag ist ein warmer Abschiedsgruß des Spätsommers. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und der Himmel hat sich mit kleinen Wölkchen geschmückt.
Ich bin heut zum Mittagessen und zu einer Motorrad-Tour eingeladen. Mittag holt mich Hasse ab.
Bei ihm zu Hause treffe ich auf seine Eltern. Zwei vom Alter gebeugte, freundliche Personen. Obgleich es ihr offensichtlich schwer fällt, hilft Hasses Mutter ihrem Sohn beim zubereiten des Mittagessens, sie kann einfach nicht still sitzen. Es gibt raggmunk (Kartoffelpuffer) allerdings in einer herbstlichen Variation. Es landet nur genau eine kleine Kartoffel im Teig. Statt dessen werden Pilze durch den Fleischwolf gedreht und bilden den Hauptbestandteil der Masse. Außerdem landen Ei, Semmelmehl, etwas Sahne, Salz und Pfeffer im Teig. Es gibt zwei verschiedene Sorten. Die eine ist eine Mischung Röhrlinge, also Maronen, Butterpilze und verschiedene Birkenpilze. Die Andere besteht ausschließlich aus Schafspilzen. Konsistenz- und geschmackstechnisch sind beide Sorten ganz verschieden, was mich ehrlich gesagt etwas erstaunt. Das Rezept stamme noch von der Großmutter erzählt man mir.

Nach dem Mittagessen ziehen wir uns warme Kleidung über. Ich bekomme eine viel zu große textile Motorradhose und -Jacke geliehen. Der Helm ist glücklicherweise nur ein Wenig zu groß. Ich setze meine Mütze auf und ziehe die Kapuze meines Pullis drüber und schon passt er ausreichend.
In Schweden grüßen sich Motorradfahrer üblicherweise auch untereinander. Hasses Motorrad sieht jedoch wie ein zu groß geratener Motorroller aus. Er hat eine 650ger Suzuki Burgman. Die ist sehr bequem – als Sozi sitzt man wie in einem Sessel, man hat sogar eine Lehne. "Seit ich die fahre, grüßt mich keiner mehr." Aber in seinem Alter, meint er, sei ein wenig Komfort beim Motorradfahren unverzichtbar. Er hatte vorher eine BMW-Tourer. Mit der kann er aber keine weiten Strecken mehr fahren, weil ihm sonst alles weh tut, erzählt er weiter. "Nein, das ist Nichts mehr, dann werde er lieber für einen Rollerfahrer gehalten."
Wir fahren eine weite Runde um bzw. über den See Åsnen. Unterwegs halten wir hier und da um Fotos zu machen.



Die Fahrt geht über Straßen im Wald und Wege, die eigentlich nur für Fahrräder und Wanderer gedacht sind. Im Sommer, wenn viele Leute dort unterwegs sind, sollte man da nicht lang fahren, um die erholsame Ruhe, die die Wanderer suchen nicht zu stören. Jetzt im Herbst ist jedoch keiner auf diesen Wegen unterwegs und man kann sie benutzen. An manchen Stellen sind die Wege schlammig vom Vortagesregen.
Bei einem kurzen Halt an einem Rastplatz am Wasser, finden wir zufällig eine Krause Glucke. Ich hab so was noch nie gesehen, aber jetzt weis ich warum man hier Blumenkohlpilz dazu sagt. Größe, Form, Farbe und wie wir später feststellen auch Gewicht (750g) entsprechen einem Blumenkohl.



Eine kleine Regenwolke erwischt uns dann doch. Aber die Verkleidung der Maschine und die textilen Motorradklamotten schützen sicher vor der Nässe. Und Regen hat ja auch seine schönen Seiten. Regenbögen zum Beispiel...



Nach der Ausfahrt wird noch mit Gewürzen an den Pilzpuffern experimentiert. Die Abendpflege kommt und verabreicht Hasses Eltern ihre Tabletten. Sie nimmt sich auch etwas Zeit für eine Unterhaltung.
Drei Mal täglich kommt eine komunale Pflegekraft, verabreicht den alten Leutchen Medikamente und sorgt mit einer Unterhaltung für etwas Abwechslung. Das alte Paar sind leider dement. Ihr Sohn hilft ihnen im Alltag, was nicht immer einfach ist. Längere Reisen, zum Beispiel kann er nicht mehr unternehmen. Es ist jedoch merkbar, dass es den alten Leuten hilft, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung sind. Sie finden zwar nicht alles auf Anhieb, aber wenn es darum geht etwas Gemüse aus dem Garten zu holen vergehen keine zehn Minuten und eine kleine Schüssel mit Möhren, Salat und Tomaten steht auf dem Tisch.

Abends bin ich sehr müde und auch etwas aufgeregt. Denn Morgen ist mein erster Arbeitstag. Aber das, ist eine andere Geschichte...

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